Leseprobe aus "Uschis Männer" - ein Roman von Friedrich Zebisch

Nach den "Fische-Männern" wird dieser Roman ebenfalls veröffentlicht.Nähere Einzelheiten dazu werde ich auch im Spreeforum rechtzeitig bekanntgegeben. Hier eine kleine Leseprobe.Ich freue mich über jeden Kommentar.
"Das klang so traurig, so ehrlich und ließ mich keineswegs „kalt“, machte mich selber traurig. Arme Uschi, dachte ich. Das sind deine
Gefühle, dein Gewissen, dass du zugeschüttet hast. Wunder geschehen!
Vielleicht kann ich dein Gewissen, deine Gefühle ja wieder
freischaufeln. Dachte ich.
Wenn du Verständnis für einen Psychopathen hast, ihm helfen willst, wird
er (sie) es mit gemeinem Verrat belohnen. Sagen die Psychiater.
Und so geriet ich immer tiefer, so wie auch Uschi das bei ihrem Adrian
passiert war, in eine Art seelische Abhängigkeit zu Uschi. Wie war das?
Dr. Robert D. Hare sagt, dass Psychopathen zwar selbst keine Liebe
empfinden können, wie sollten sie das auch mit „ fehlender Seele,
fehlendem Gewissen “, aber so etwas wie inspirierende Liebe beim Opfer
auslösen können. Eine „fanatische, inspirierende Liebe“.

So gemein und arrogant wie Uschi inzwischen mit den Menschen auch
umgehen mochte. Ich liebte sie. Trotz ganz deutlicher Anzeichen, dass
sie inzwischen ebenfalls psychopathische Charakterzüge trug. Und
irgendwann ertappte ich mich dabei, selber arrogant, unehrlich und
anmaßend geworden zu sein.
Aber das machte mir zu diesem Zeitpunkt nichts mehr aus.
Hatte ich mich vielleicht auch schon so gesehen: „im Zentrum des
Universums als höheres Wesen, dem es erlaubt ist, nach seinen eigenen
Regeln zu leben.“ [Hare, 38]
Dieser Gedanke ließ mich erschauern.
Adrian suchte weiterhin in der Filiale nach willigen Opfern, die er
gebrauchen, missbrauchen, wegwerfen konnte. Die Frauen fingen an sich zu
wehren. Sein abartiges Tun wurde immer offensichtlicher. Trotz aller
Subtilität, mit der Adrian ans Werk gegangen war. Adrian flog nicht
raus, er flog „nach oben.“ Wurde weit weg, nach Berlin in eine größere
Filiale versetzt. Nun nicht mehr als Filialleiter. Der Filialleiter dort
war eine Frau, berüchtigt für ihre völlige Gewissenlosigkeit den
Angestellten und Kunden gegenüber. Die wird doch nicht auch...? Wenn du
früher mal ein ganz tolles Haus in Berlin- Mitte hattest und jetzt in
Marzahn wohnst, kennst du sie vielleicht.
Aber auch in Berlin machte Adrian unbeirrt weiter. Aber das weißt du ja
schon.
Nachdem Uschi nichts mehr zu tun hatte, fing sie an sich zu langweilen.
Dann aber dachte sie sich immer wieder neue Gemeinheiten aus, mit denen
sie ihre lieben Mitmenschen glücklich machen wollte.
Und dann traf ich auf Uschi. Es wird mir wohl für immer ein Rätsel
bleiben, warum sie gar nicht erst versuchte, mich gemein zu behandeln.
Sie behandelte mich mit einem fast schon „ehrfürchtigem“ Respekt. Das
war mir manchmal unheimlich.
Was war denn anders an mir? Ich weiß es bis heute nicht. „Du bist für
mich nicht zu ersetzen“ schrieb sie in diesem Brief.
Uschi war eben Uschi. Ich war eben Ich.
Nachdem der „Idiot“ so wie Uschi ihren psychopathischen Mann mir
gegenüber nannte, es tatsächlich geschafft hatte, seine Drohungen
gegenüber der netten Ingrid ebenfalls wahr zu machen, sie mittels
Intrige ebenfalls die Bank verlassen musste, verlor der „Idiot“ sein
Interesse auch an Uschi.
Sie war für ihn nur der schöne Schein einer funktionierenden Ehe. So wie
vieles in Adrians Leben nur schöner Schein war. In Berlin betrog er
„seine“ Uschi dann erst recht.
Die „Berliner Großstadtweiber“ sind da nicht sehr sensibel, wenn sie
glauben, einen erfolgreichen Mann finanziell ausnehmen zu können. Aber
bei Adrian zogen sie regelmäßig „den Kürzeren“, mit ihnen verfuhr Adrian
„gerechterweise“ auch nicht anders, als mit diesen „dummen Gänsen aus
NRW“, wie er seine Opfer voller Verachtung nannte. Als Adrian dann vor
Gericht musste, weil seine Uschi sich scheiden lassen wollte, war er
nicht ganz so großkotzig, versuchte auch hier durch Lügen und
Manipulation alles in Zweifel zu ziehen.
Aber die Beweise für seine „eheliche Untreue“ waren eindeutig. Dafür
hatte der fleißige Privatdetektiv gesorgt. Uschi hatte viel gelernt von
Adrian. An Niedertracht und Manipulationsfähigkeit. Die „Feinabstimmung“
in Form von raffinierten, brauchbaren juristischen Tipps bekam sie von
mir und ihre Anwältin hatte „Haare auf den Zähnen“. Jedes Wort von ihr
„saß“, schlug in den Gerichtssaal ein wie eine Bombe.
Uschis Mann schien sichtlich amüsiert von diesem Affentheater, wie er
das Alles nannte. „Dieser blöden Kuh drehe ich den Hals rum“ murmelte er
gleichzeitig vor sich hin.
Die „blöde Kuh“ war jedoch so erfolgreich, dass Adrian ganz schön
gerupft wurde. Meine liebe Uschi hatte natürlich nicht den geringsten
Ansatz von Gewissenbissen. Sie feixte boshaft vor sich hin.
Keine Chance für den psychopatischen Filialleiter Adrian. Den „Idioten“
wie Uschi ihn immer nannte, war sie endlich wieder los.
In dieser Situation war er tatsächlich der Idiot.
Ja, und so behielt sie eben ihr schönes, großes Haus. Ihr Vermögen.
Selbst den Hund Cäsar. Und sie behielt mich."Nachdruck, auch
auszugsweise nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags

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