Märchen vom Autor des Romans „ Das Chaos“

Das Land der Zauberfeen

Es war einmal zu einer Zeit da war die Welt noch mit einer wahren Fülle von Naturschönheiten ausgestattet.

Die Jahreszeiten waren noch Jahreszeiten und begegneten einander in Hochachtung. Nie wäre es der Frau Holle eingefallen ihre Bettwäsche im Frühling auszuschütteln. Nein! Solches tat sie nur zur Zeit des Herrn Winters. Im Frühling war es die Aufgabe der Zauberfeen das Land in ein Meer aus Blüten zu verwandeln.

Das Wasser aus den Felsquellen war glasklar und in den Bächen tanzten die Bachforellen. Mutig versuchten die Frösche ihr erstes Frühlingskonzert. Die Zauberfeen badeten im Wasser und lauter kleine Sternchen umgaben sie. Schlugen sie mit ihren zarten Händen, voller Freude jauchzend, auf die Wasseroberfläche, breiteten sich Fontänen aus kleinen, goldenen Sternchen um sie herum aus. Anschließend entstiegen sie dem Wasser und kleideten sich mit ihren weißstrahlenden Gewändern an.

Jede Zauberfee besaß einen eigenen Zauberstab mit ganz besonderen Fähigkeiten. Sie waren schon von ihrem ersten Tag auf Erden an, darauf vorbereitet worden, ihre Kraft konnte nur in der Gemeinschaft wirken. Der Verlust einer einzigen Fee mit ihren eigenen Fähigkeiten, würde große Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der Welt haben.
So schworen sich die Feen nach jedem Bad auf ein Neues:
„Möge jede Fee, auf die Fee in ihrer Nähe achten!“

Das ging auch über viele Jahrhunderte gut, doch leider war die Welt lange nicht so Heil wie sie erschien. Die bislang einfachen Menschen, überwiegend lebten sie vom Landanbau und der Viehzucht begangen sich immer weiter zu entwickeln. Sie erlernten die Kunst das Schwert zu führen und damit auch den Kampf. Sie erfanden das Rad und damit auch die Möglichkeit endlich die Welt noch schneller zu erobern. Ihre Schiffe kreuzten die Meere. Ihre Heere zerstörten, was sich ihnen in den Weg stellte.

Sie lernten schnell ihres Gleichen zu versklaven und anschließend bis auf das Blut zu quälen. Ihr Tatendrang kannte keine Skrupel, ihr Beutezug war ohne Beispiel, kannte keine Gnade.

So zogen sie erobernd durch die Welt und kamen dabei immer näher an die letzte Felsquelle mit glasklarem Wasser.
Die Zauberfeen hatten nun nicht nur hilflos mit anzusehen, wie sich die Jahreszeiten immer mehr untereinander in Fehde befanden. Nein! Nun wurden auch noch die Menschen zu einer wirklichen Gefahr.

So kam es, wie es kommen musste, an einem wunderschönen Herbsttag wurde die Zauberfee der Freude, in den Ardennen, von einem Kampfflugzeug erfasst und in ein schluchtartiges Flusstal gestürzt. Ab diesem Tag wurde die Freude auf dieser Welt nicht mehr gehegt und gepflegt und so starb sie mehr und mehr ab.

Als nächstes traf es die Zauberfee des Waldes. Eine Bande von Jugendlichen legte mutwillig an mehreren Stellen in einem Nationalpark Feuer. Die Katastrophe nahm ihren Lauf und die Zauberfee des Waldes verglühte in einem grellen Flammenstrahl.

Das Schicksal nahm seinen Lauf und fortan verging keine Woche ohne den Verlust von einer Zauberfee.

Das Bild der Welt veränderte sich mächtig, und die entfesselten Mächte des Bösen suchten ihre Opfer. Eine Naturkatastrophe jagte die Nächste.

An der letzten Felsquelle mit glasklarem Wasser badeten an einem letzten schönen Jahrestag die Zauberfeen. Bald schon würde die Eiseskälte der menschlichen Herzen ihre Quelle zu Eis erstarren lassen. Die letzte Bachforelle war gegangen, der letzte Ton des Frosches für immer verstummt. Leise bewegte sich das Wasser und drinnen funkelte immer noch ein kleines Meer aus goldenen Sternchen.

Ein kleines Mädchen näherte sich der Quelle. Sie blickte in das Wasser und lächelte freundlich.

„Mama, Mama, komme her! Schau doch! Ich habe die Quelle gefunden.“

Eine Frau mit einem Weidenkorb voller Pilze näherte sich der Quelle. „Sabine, du alte Träumerin, wir sind hier zum Pilze sammeln. Bleib da weg! Das Wasser ist schmutzig!“

Die Kleine hob den Kopf in Richtung der Mutter. „Das Wasser ist glasklar! Dies ist die Quelle von der immer die Oma erzählt hat. Das ist das Reich der Zauberfeen!“

Die Mutter stellte den Weidenkorb ab und näherte sich dem Wasser. „Du solltest nicht allen Unsinn glauben.“
Sie schaute in das Wasser und staunte. „Das Wasser ist wirklich glasklar. Wieso sind so viele kleine goldene Sternchen zu sehen?“

Sabine so hieß das kleine Mädchen nahm ihre beiden Hände und schöpfte das Wasser.

„Lass das bloß bleiben! Wer weiß was mit dem Wasser ist.“ „Mama, das sind die Zauberfeen.“ Sie nahm ihre rechte Hand und legte den Zeigefinger auf den Mund.

Leise flüsterte sie. „Du darfst sie nicht erschrecken. In der Geschichte der Oma heißt es: Legt ein unschuldiges Mädchen seine beiden Hände in die Quelle des Lebens, beginnt das Reich der Zauberfeen von Neuem. Die toten Feen werden auferstehen und die Welt wird sich unter ihrem Zauber von Neuem zum Guten verändern.“

Die Mutter schüttelte den Kopf. „Du und deine Oma, nichts als Flausen im Hirn! Es wird langsam Zeit den Ernst des Lebens zu begreifen, statt sich in das Land der Träume zu verziehen.“

Während sie das sagte, begann sich bereits die Quelle zu verändern. Das Wasser floss stärker. Auf einmal sprühten überall um sie herum goldene Sternchen. Die Mutter war sprachlos, viel zu sehr wurde sie ergriffen von einer grenzenlosen Freude und Leichtigkeit ihres Herzens. So etwas hatte sie ihren Lebtag noch nicht erfahren, so war sie erst einmal ganz still. Diesen kostbaren Augenblick galt es lange auszukosten. Wer wusste was noch so geschehen würde?

Sabine schaute derweil gespannt dem munteren Treiben zu.
Die Zauberfee der Freude, versprühte die meisten Sternchen. Sie setzte sich neben das kleine Mädchen und sagte leise. „Danke! Du bist gerade dabei die Welt vor dem sicheren Untergang zu retten.“

Die Zauberfee des Waldes frohlockte. „Jetzt werden die Wälder wieder ihren Platz in dieser Welt einnehmen. Das alles verdanken sie dem großen Herzen eines Kindes. Ein Herz mit mehr Liebe und Güte, als die Macht des Bösen je aufbringen kann. Die Sonne wird der Menschheit den Weg in eine goldene Zeit weisen.“

Immer mehr Zauberfeen entstiegen der Quelle und sie murmelten den Zauberspruch: „Möge jede Fee, auf die Fee in ihrer Nähe achten!“

Von diesem Tag an, wurde das Leben jeden Tag ein Stück mehr lebenswert. Der Hass aber verglühte in der Wärme der Liebe, die in den Herzen der Menschen erwachte. Das Land der Zauberfeen war endlich von einem Alptraum befreit und überall begann das Zeitalter des Friedens auf dieser Welt.


© Bernard Bonvivant, Schriftsteller, Germany

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